Wenn der Schokoriegel-Hersteller mit einer "Neuen Rezeptur!" wirbt oder der Waschmittel-Produzent mit "Neuen Premiumdüften!" ist beim Kunden Misstrauen angebracht. Denn oft verstecken sich hinter solchen Ankündigungen auch Preiserhöhungen. Viele Verteuerungen finden aber auch ganz ohne großes Getöse statt.

Ein aktuelles Beispiel - vorgestellt auf der Website der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH): Die Kaugummis Airwaves von Wrigley's gab es bis vor kurzem im Zehnerpack für 75 Cent. Nun gibt es 12 Stück für 99 Cent, eine Preiserhöhung um zehn Prozent, die wohl nicht für jeden auf den ersten Blick ersichtlich ist, weil man zwar mehr bezahlt, aber dafür auch mehr bekommt.

Ein weiteres Beispiel: die 300-Gramm-Tafeln von Milka. Sie kosten in den meisten Märkten 2,99 Euro, allerdings sind seit kurzem nur noch 270 bis 280 Gramm in der Packung.

Zwei von mehr als 500 Fällen, die die Verbraucherschützer auf ihrer Mogelpackungsliste aufführen. Und zwei, die dafür stehen, welche Kniffe hauptsächlich angewendet werden, um Preiserhöhungen zu verschleiern: mehr drin für überproportional mehr Geld und weniger drin für das gleiche Geld.

Bei den Herstellern beliebt ist es demnach auch, mit den Mengen in den Packungen zu spielen. Also entweder verschiedene Größen in unterschiedlichen Läden anzubieten oder die Größen immer wieder zu ändern, so dass sich der Kunde kein Urteil bilden kann, was eigentlich ein akzeptabler Preis für das Produkt ist.

Noch eine Runde im Füllmengenkarussell

Im Fachjargon heißt das "Füllmengenkarussell". Besonders gerne werde das von Waschmittel- und Süßwarenherstellern gemacht, sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ein aktuelles Beispiel aus dem Oktober: die Mini-Riegel von Mars ("Mars Minis") gab es bislang in zwei Größen: als 250- und als 333-Gramm-Packung für 2,49 Euro beziehungsweise 2,99 Euro. Jetzt gibt es für 2,99 Euro nur noch eine 303-Gramm-Packung. Das heißt, die Mini-Riegel wurden um neun beziehungsweise zehn Prozent teurer.

Nur wenige dürften das auf Anhieb bemerkt haben. Auch, weil vor allem die Stammkäufer von Markenprodukten nicht jedes Mal das Etikett genau kontrollierten, sagt Armin Valet. "Bei Markenprodukten sind die Käufer nicht so preissensibel. Die Firmen wissen ganz genau, dass sie damit durchkommen können."

Oft zweifelhaft, aber selten nicht erlaubt

"Durchkommen" heißt in diesem Fall: beim Kunden. Denn juristisch haben Firmen und der Einzelhandel, der letztlich festlegt, zu welchem Preis er ein Produkt verkauft, wenig zu befürchten. Preise zu erhöhen ist ihr gutes Recht, sie müssen den Kunden auch nicht mit der Nase darauf stoßen.

Ein Betrug liegt nur vor, wenn tatsächlich weniger in einer Packung drin ist als draufsteht. Das komme aber selten vor, sagt Valet. Zudem sei das Eichrecht anbieterfreundlich und deswegen nicht jede Packung, die unterfüllt sei, auch gleich ein Verstoß.

Häufiger als falsche Angaben auf der Packung seien falsche Preisschilder im Supermarktregal. Das gelte aber als Kavaliersdelikt und werde von den Behörden praktisch nie als Ordnungswidrigkeit geahndet, erklärt Valet.

In allen anderen Fällen, die die Verbraucherschützer und auch viele Kunden als Irreführung oder Täuschung verstehen, wird es schwierig sein, vor Gericht zu gewinnen - obwohl eine Mogelpackung, die mehr Inhalt vortäuscht als drin ist, gegen das Gesetz verstößt. "Es gibt aber viele Ausnahmeregelungen", sagt Verbraucherschützer Valet.

Auch werde von den Verbrauchern zu viel verlangt: Ein Gericht forderte sie zum Beispiel auf, den Inhalt von Plastikpackungen zu ertasten, um nicht auf Mogelpackungen hereinzufallen.

Hoffnung gebe aber ein aktueller Fall bei einer Kosmetikpackung. "Ein kleiner Tiegel in einer überdimensionierten Umverpackung wurde von einem Gericht als Mogelpackung eingestuft", sagt Valet. Der Hersteller hat aber beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt.

"Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung"

Aber warum machen Hersteller und der Einzelhandel die Preiserhöhungen nicht transparenter? Vielleicht, weil die Produkte laut der Mogelpackungsliste der VZHH meist auf einen Schlag zwischen 10 und 30 Prozent teurer werden, was mit höheren Rohstoff- und Energiepreisen schwer, mit der Inflation gar nicht zu rechtfertigen ist?

Die Verbraucherzentrale forscht bei jeder Beschwerde nach, die sie von Kunden bekommt und bittet die Unternehmen um Stellungnahmen. Einige Erklärungen sind nachvollziehbar, andere weniger.

Als Milka etwa sein Nussini bei gleichem Preis um 5,5 Gramm leichter machte und zudem den Haselnussanteil von 14 auf 9,5 Prozent senkte, teilte das Unternehmen Mondelez der VZHH mit, Produkte zeitgemäß weiter zu entwickeln sei üblich und gehöre "zur Pflege eines modernen Produktangebotes".

Neben der Einführung von neuen Sorten könne es auch zu "Veränderungen von Grammaturen und Verpackungsgrößen" kommen. Als das Unternehmen Procter & Gamble eine Pampers-Sorte durch eine neue ersetzte und dabei die Anzahl der Windeln bei gleichem Preis von 66 auf 60 senkte, wurde das von dem Unternehmen so erklärt: Um den neuesten Stand der Technologie zu halten und zu verbessern seien "hohe Investitionen in die Forschung und Entwicklung und in nachhaltige Produktion" nötig. Preiserhöhungen seien deswegen nicht auszuschließen.

Kein Einfluss auf die Preise im Laden?

Häufig wird auch darauf verwiesen, dass alles, was der Kunde wissen müsse, auf der Packung abgedruckt sei und dass der Hersteller ja gar nicht für die Preise für den Endverbraucher verantwortlich sei.

Tatsächlich kann dieser nur eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) abgeben. Verkaufspreise dürfen nach Kartellrecht allein vom Händler festgelegt werden. Welchen Anteil sich die Händler bei Preiserhöhungen selbst sichern, bleibt aber offen. "Niemand von außen hat einen Einblick, wie die Preisverhandlungen wirklich ablaufen", sagt Verbraucherschützer Valet.

Dem Kunden bleibt also nur, neue Produkte oder Produkte in neuer Verpackung mit den alten zu vergleichen - so er denn noch welche zu Hause hat. Und generell kritisch auf Ankündigungen wie "Jetzt mit neuer Rezeptur!" oder "Jetzt mit mehr Inhalt!" zu schauen.

Die "Transparenzplattform", die sich die VZHH wünscht und auf der Hersteller kleinere Füllmengen vorab melden sollen, ist jedenfalls noch nicht in Sicht. Fällt einem Kunden etwas auf, kann er das der VZHH zum Beispiel per Mail an ernaehrung@vzhh.de mitteilen.

Überweisungen, Daueraufträge oder Kartenzahlungen - ohne Girokonto sind solche Transaktionen kaum möglich. Deshalb hat jeder Verbraucher das Recht auf ein Konto. Ein Test zeigt aber: Ein solches Basiskonto kann ganz schön ins Geld gehen.


Comments

  1. Philipp Gehring

    voll frech

  2. Simon McKiernan

    Die Überschrift zu diesem Artikel auf der web.de Startseite lautet „Betrug im Supermarkt“. Das würde wohl für beispielsweise Mondelez international, die in diesem Artikel erwähnt werden, ausreichen, um die web.de Redaktion wegen übler Nachrede zu verklagen und auf Unterlassung.

  3. Doris Cremer

    das ist mir schon häufig aufgefallen...es wird in kleinen Schritten geschummelt, damit es nicht gleich auffällt....

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