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Krach im Weißen Haus: Nach einem Wortgefecht mit dem CNN-Journalisten Jim Acosta statuierte Donald Trump ein Exempel gegen kritische Journalisten. Dem Reporter wurde die Akkreditierung entzogen. Mit dieser Maßnahme hat Acosta wahrscheinlich gerechnet. Der Streit mit dem Präsidenten schwelt schon länger. Wer ist der CNN-Reporter?

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Ein Wortgefecht zwischen Präsident Donald Trump und dem CNN-Journalisten Jim Acosta sorgt derzeit für Aufsehen: Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus weigerte sich Trump, weitere Fragen des Reporters zu beantworten.

"Es reicht, es reicht", sagte Trump mehrfach und forderte Acosta auf, das Mikrofon freizugeben. Der US-Präsident nannte Acosta "eine furchtbare, unverschämte Person". CNN müsse sich schämen, einen solchen Menschen zu beschäftigen. Trump redete sich regelrecht in Rage. Er nannte den CNN-Chefkorrespondenten wegen angeblicher Verbreitung von "Falschnachrichten" gar "Feind des Volkes".

Im Anschluss entzog das Weiße Haus Acosta die Akkreditierung. Angeblich hatte er sich einer Praktikantin gegenüber übergriffig gezeigt, als diese versuchte, ihm das Mikrofon abzunehmen. Als Beweis veröffentlichte Trump-Sprecherin Sarah Sanders ein Video auf Twitter. Es wird allerdings diskutiert, dass es manipuliert sein könnte.

Unbequeme Fragen, persönliche Angriffe

Dass sich Donald Trump und Jim Acosta nicht sonderlich grün sind, ist nichts Neues. So gerieten die beiden schon vor etwa zwei Jahren in New York aneinander. Trump – damals noch Präsidentschaftskandidat – nannte den Journalisten unter anderem auf einer Pressekonferenz "ein echtes Früchtchen".

Und wenige Tage vor Donald Trumps Amtsantritt kam es zum legendären Schlagabtausch der beiden. Trump schnitt Acosta das Wort ab und warf ihm vor, "Fake News" zu verbreiten.

Acosta wiederum ist bekannt dafür, Trump bei Pressekonferenzen arg herauszufordern, indem er besonders unbequeme Fragen stellt. Manchmal seien diese auch stark meinungslastig oder es handele es sich um als Fragen formulierte Vorwürfe oder Anschuldigungen, schreibt etwa Hubert Wetzel, US-Korrespondent der "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Im August kam es erneut zu einem Eklat. So forderte Acosta von Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders eine Distanzierung von der Äußerung "Journalisten sind Feinde des Volkes".

Diese Rhetorik hatte Trump erstmals im Februar 2017 gegenüber ABC, CBS, CNN, NBC und der New York Times gebraucht – via Twitter. Sanders wich aus, woraufhin der 47-Jährige die Pressekonferenz demonstrativ verließ.

"Es ist nicht richtig. Es ist nicht fair. Es ist nicht gerecht. Es ist unamerikanisch", erklärte Acosta gegenüber seinem Arbeitgeber CNN.

Unbequeme Fragen des Journalisten Acosta kennt auch Barak Obama. So wollte Acosta 2015 vom damaligen US-Präsidenten wissen, wie die Strategie gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) konkret aussehe. "Warum können wir diesen Mistkerlen nicht das Handwerk legen?", fragte der Journalist damals.

Und als er im März 2016 Obama nach Kuba begleitete, ergriff er auf einer Pressekonferenz das Mikrofon und stellte Fragen an Raúl Castro die Menschenrechte betreffend. "Warum haben Sie politische Gefangene?", fragte Acosta, Sohn eines Flüchtlings aus Kuba. "Und warum entlassen Sie sie nicht?" Castro antwortete: "Geben Sie mir eine Liste der politischen Gefangenen und ich werde sie freigeben."

Bis es zu dem historischen Treffen zwischen Castro und Obama kam, war es ein langer Weg, der 2009 begann. Damals wurden unter der Obama-Administration die Beschränkungen für US-Bürger, die nach Kuba reisen wollen, aufgehoben. Acosta, der an der James Madison University Politikwissenschaft und Massenkommunikation studiert hat, berichtete über die Auswirkungen der politischen Wende im Fall Kuba. Da war er gerade als Korrespondent von CBS News zu CNN gewechselt.

Ein Exempel gegen kritische Journalisten

Acosta genießt vor allem bei Trump-Kritikern den Ruf eines Mannes, der mutig für die Presse- und Meinungsfreiheit kämpft. Für sie ist er so etwas wie ein moderner Held.

Für Trump und seine Anhänger ist Acosta allerdings der Inbegriff der von Journalisten verbreiteten Falschmeldungen. Unumstritten ist Acostas auch bei seinen Kollegen nicht. "Das Problem bei Acostas journalistischer Methode ist, dass dabei nur sehr selten genug herauskommt, um entscheiden zu können, ob er nun ein beinharter Reporter ist, der sich einfach nicht abwimmeln lässt, oder nur ein Selbstdarsteller", schreibt Jack Shafer, Journalist bei "Politico".

Andere, wie "SZ"-Korrespondent Wetzel, sehen in den harten rhetorischen Duellen zudem keinen journalistischen Erkenntnisgewinn.

Dass Acosta die Akkreditierung verliert, hätte man vielleicht kommen sehen können. Trump-Anhänger plädieren seit längerem dafür, Reportern Akkreditierungen zu entziehen.

Zudem berichtet die "Washington Post", dass Trump in der Vergangenheit bereits versucht habe, unbequeme Journalisten von Pressekonferenzen fernzuhalten.

So wurde im Juli 2018 CNN-Korrespondentin Kaitlan Collins der Zugang zu einer Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses verwehrt.

Und während seiner Präsidentschaftskampagne verweigerte er Dutzenden Journalisten von der "Washington Post", "Politico" und "BuzzFeed" Akkreditierungen zu Veranstaltungen.

Vom Reporter zum Chefkorrespondenten

Dass Acosta, dessen Aufgabe es ist, aus dem Zentrum der Macht zu berichten, die Akkreditierung entzogen wurde, werten viele als Angriff auf die Pressefreiheit. Erstmals geht Trump in dieser Weise gegen unbequeme Pressevertreter vor.

US-Medien berufen sich auf die Rede- und Pressefreiheit, die im "First Amendment", dem ersten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, geregelt ist.

CNN bezichtigt außerdem Sanders der Lüge. "Sie lieferte nur verlogene Anschuldigungen und zitierte einen Vorfall, den es nie gegeben hat. Diese noch nicht da gewesene Vorgehensweise ist eine Bedrohung unserer Demokratie", twitterte der Sender.

Verwendete Quellen

  • CNN
  • dpa
  • "The Washington Post"
  • YouTube
  • Twitter
  • "Politico"
  • "Süddeutsche Zeitung"

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