Loading...

Es war ein hervorragender Tag für Kim Jong Un. Der Gipfel des Entgegenkommens, das Treffen in Singapur zwischen dem nordkoreanischen Machthaber und Donald Trump, hat für Kim seinen Zweck in nur fünf Stunden voll erfüllt. Das Land ist mit einem Schlag aus dem Schattendasein der Isolation ins Rampenlicht der politischen Weltbühne gehievt worden. Mit weitreichenden Folgen. Über einen Gipfel, der in vielerlei Hinsicht irritiert.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Es ist das erste Signal für "Appeasement" - von Beschwichtigung und gutem Willen.

Beim Gipfeltreffen in Singapur erscheint Kim Jong Un sieben Minuten vor seinem älteren Gesprächspartner Donald Trump – ein Zeichen der Höflichkeit und des Anstands in Korea. Ungewöhnlich, denn eigentlich treffen hier zwei Alphatiere aufeinander.

Zum ersten Mal begegnen sich ein US-Präsident und ein amtierender Machthaber Nordkoreas nach Ende des Krieges persönlich – auf Augenhöhe, wie die Bilder suggerieren sollen.

Es entstehen Aufnahmen für die Geschichtsbücher. Nach den 13 Sekunden des ersten Handschlags wirkt es, als würden sich hier zwei alte Freunde treffen.

Kim Jong Un wie im falschen SciFi-Film

Die erste Gesprächsrunde unter vier Augen beginnt, dauert 48 Minuten. Im Anschluss ist US-Präsident Donald Trump voll des Lobes.

Es lief "sehr, sehr gut", er habe ein "exzellentes Verhältnis" zu Kim. Nordkoreas Machthaber weiß zu diesem Zeitpunkt bereits, dass er allein schon dieses Zusammentreffen als Erfolg verbuchen kann, von der enormen Wirkkraft der Bilder ganz zu schweigen: "Viele Leute in der Welt werden dies für eine Art Fantasie halten, aus einem Science-Fiction-Film."

Kims Wandel vom weltweit geächteten Diktator zum international akzeptierten Staatsmann und Trump-Kumpel - diese Interpretation wird medial in die Welt versendet und von der nordkoreanischen Führung dank dem historischen Erzfeind USA über das eigene Staatsfernsehen als zeitversetzte Botschaft nach innen transportieren.

Vor dem Mittagessen ist Trump sogar zu einem Scherz mit der angereisten Weltpresse aufgelegt: "Bekommt jeder ein gutes Bild? Sehen wir freundlich, attraktiv und dünn aus? Perfekt."

Die perfekte Kehrtwende allemal. Hier treffen nicht der "senile Greis" und der "Raketenmann" aufeinander – wie sich Trump und Kim vor kaum einem Jahr noch beschimpft hatten.

Das Treffen ist ungezwungen, Kim scheint das Vertrauen des US-Präsidenten gewonnen zu haben.

Kim im Hintergrund, aber nicht mehr im Abseits

Im Anschluss steht ein gemeinsamer Spaziergang durch den hoteleigenen Garten an. Trump lässt Kim stolz einen Blick in seine Staatskarosse werfen und gibt sich hochzufrieden.

"Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse", schwärmt Trump und informiert die Weltöffentlichkeit, dass eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet werden soll.

Kim hält sich höflich im Hintergrund - steht nun aber nicht mehr im Abseits.

Man muss sich schon daran erinnern, dass dies immer noch derselbe Kim Jong Un ist, der Menschenrechtsorganisationen zufolge in seinem Land über 100.000 Dissidenten in brutalen Arbeitslagern interniert haben soll, Tausende foltern und verschwinden ließ.

Es ist immer noch der Machthaber eines Landes, für welches das Auswärtige Amt dringend von Reisen abrät, auch, "da auf breiter Front schwere und schwerste Menschenrechtsverletzungen häufig vorkommen".

Doch mit unangenehmen Fragen zu Menschenrechten muss sich Kim gar nicht selbst auseinandersetzen, das erledigt der US-Präsident für ihn.

"Ich glaube, er will was machen. Er will die richtigen Dinge machen", wiegelt Trump alle Nachfragen von Journalisten ab. Das Thema sei ohnehin nur "verhältnismäßig kurz" angesprochen worden. Thema beendet.

Kim bekommt viel, Trump will fast nichts

Wirklich wichtig für Trump ist die Inszenierung der gemeinsamen Erklärung der USA und Nordkoreas, sie hat für Trump oberste Priorität. Die Urkunden werden von beiden Staatsmännern unterschrieben, es werden erneut Hände geschüttelt.

Beim Verlassen des Raumes tätschelt Kim Trump den Rücken. Diese Geste soll Nähe und Vertrautheit ausdrücken. Kim Jong Un ist ein Prestige-Coup in den Schoß gefallen, von dem er noch vor einem halben Jahr nicht einmal zu träumen gewagt hätte.

Und dabei musste Nordkoreas Machthaber noch nicht einmal an die persönliche Schmerzgrenze gehen. Denn als der Inhalt der Erklärung veröffentlicht wird, ist klar: Konkretes wurde nicht vereinbart.

Zwar bekennt sich Kim Jong Un "fest und unerschütterlich" auf eine atomare Abrüstung hinzuarbeiten, ein Zeitplan wurde aber nicht vereinbart, geschweige denn eine unabhängige Überprüfung durch Inspektoren der Internationale Atomenergie-Behörde IAEO.

Und auch von einer völligen Denuklearisierung ist keine Rede mehr. Die Sanktionen will Trump bereits aufheben, "wenn wir sicher sind, dass die Atombomben keine Größe mehr sind." Die Größe null wird durch diese Aussage nicht vorausgesetzt.

Dann aber folgt der Satz, der Kim endgültig zum Punktsieger des Gipfeltreffens macht: Trump will die Militärmanöver mit Südkorea einstellen und eventuell auch die rund 30.000 US-Soldaten aus Südkorea abziehen.

Es ist dies eine immer wieder vorgebrachte Forderung Pjöngjangs - und war bislang aus Gründen der Abschreckung gegenüber Nordkorea unverhandelbar für die Schutzmacht USA und alle Regierungen in Washington.

Für Donald Trump sind diese "Kriegsspiele", wie er die Manöver zuletzt nannte, aus Kostengründen und dem America-First-Prinzip allerdings ein streichenswerter Posten im Haushalt.

Amerikas Verbündete in der Region, Japan und Südkorea, reagieren hinter vorgehaltener Hand entsetzt. Es wirkt - wieder einmal - wie ein Alleingang des US-Präsidenten.

Selbst Mitarbeiter im Pentagon sollen Berichten zufolge überrumpelt worden sein, was das Verteidigungsministerium später dementiert. Minister James Mattis und die Belegschaft seien vorab über die Entscheidung informiert gewesen.

Am Ende bleibt wieder nur die Hoffnung

"Dealmaker" Trump lobt Kim als "sehr geschickten, sehr guten Verhandler". Die Ergebnisse des Gipfels in Singapur und die enorme mediale Symbolkraft des Treffens geben dem US-Präsidenten recht: Kim Jong Un hat bei diesem Gipfeltreffen mehr erreicht, als er sich erhoffen konnte.

Er musste dafür in keinem Punkt über Versprechungen hinaus, die Nordkorea auch schon früheren US-Regierungen - wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit - gegeben und nie eingehalten hatte.

Im Gegenzug erhielt Kim eine Quasi-Rehabilitierung durch ein bildgewaltiges Treffen mit einem US-amerikanischen Präsidenten auf Augenhöhe.

Sollte es tatsächlich zu einer Einladung ins Weiße Haus kommen, wie von Trump angedacht, wäre dies Kims Begnadigung und die endgültige Transformation vom Diktator zum Staatsmann - zumindest für die nordkoreanische Propaganda.

Denn ob es Kim Jong Un wirklich ernst meint mit der Abrüstung jener Waffen, die ihm bislang seinen Machterhalt - auch gegenüber den USA - garantiert haben, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten erst noch zeigen müssen. Viele Experten sind skeptisch.

Es bleibt dennoch die Hoffnung, dass sich durch diesen historischen Gipfel 70 Jahre nach Kriegsende die Tür zum Frieden und der Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel öffnet.

In diesem Fall hätte auch Trump zweifellos einen großen außenpolitischen Triumph errungen.

Bis dahin aber gehen die USA in maximale Vorleistung und beenden einen strategischen Mix aus politischer Isolation und militärischer Abschreckung, mit dem das Regime in Pjöngjang bislang davon abgehalten werden konnte, aggressive Rhetorik auch in die Tat umzusetzen.

Bildergalerie starten

So lief der Trump-Kim-Gipfel: Die Bilder und Momente des historischen Treffens

Händeschütteln, eine unterzeichnete Erklärung und ein Foto, das Besonderes zeigen soll - die Bilder des historischen Treffens

Comments

  1. Friedemann Schaal

    Stormy Denials durch Trump Richtung Kim sind frühestens nach Trumps Geburtstag (14.Juni) zu erwarten.

  2. Ernst Resch

    #58 So ist es!

  3. Benno Birkner

    Bin "Gerade gelandet - eine lange Reise, aber jeder kann sich jetzt viel sicherer fühlen als am Tag, als ich das Amt übernahm", twitterte Trump am Morgen. "Es gibt keine atomare Bedrohung durch Nordkorea mehr":-) "Nordkorea hat großes Potenzial für die Zukunft!" ´ Bevor er das Amt übernommen habe, "haben die Menschen gedacht, dass wir mit Nordkorea Krieg führen würden. Präsident Obama sagte, Nordkorea sei unser größtes und gefährlichstes Problem. Nicht mehr - schlaft gut heute Nacht!" :-) GOTT schütze Robert Mueller !

  4. Heiner Schön

    Wie kann man so NAIVE sein....Euch allen hier werden auch noch die Augen aufgehen bzw. geöffnet. Trump und Kim sind unberechenbar.....

  5. Carsten Vollrath

    Es kommt einem so vor, als wenn welche sich lieber eine Bombe von Jong Un wünschen als das Gelingen von Trumps Vorhaben! Pfui Teufel, selbst bei sowas Ernstem euren Hass in den Vordergrund zu stellen.

  6. Joachim Dix

    Ich schätze man erzählt uns wieder einmal wieder nichts als die Wahrheit! Ein Beispiel zum Thema Politik. Nun 2026 Austragungsort der Fussball WM dann Canada , USA, Mexiko. hinterher kam noch ein kurzer Satz auch Marokko hatte sich beworben. Allerdings hätte D. Trump den Staaten gedroht wenn sie für Marokko abstimmen, müssten sie mit Konsequenzen rechnen! Wie immer die auch aussehen mögen! Bei den nächsten Nachrichten waren die letzten zwei Sätze verschwunden .. Dies ist unsere Welt hart und....

  7. Patricia Hoffmeister

    Allen noch einen schönen, friedlichen Abend! ....und tschüssss... :)

  8. Carsten Vollrath

    Es kommt einem so vor, als wenn welche sich lieber eine Bombe von Jong Un wünschen als das Gelingen von Trumps Vorhaben! Pfui Teufel, selbst bei sowas Ernstem euren Hass in den Vordergrund zu stellen.

  9. Nils Melms

    Das ist noch immer die Reality Show von Trump und warten wir es ab, wenn dem Trump etwas nicht paßt das heißt es, wie allen bekannt ............ "your'e fired" ! Trump agiert mit seinem Auftreten nicht mehr nur national, sondern als Präsident international und macht nur eines, was er kann, sich verkaufen. * Wie #32 schon erwähnt, jetzt werden alle Dinge besprochen und glaubt mal daran, das die USA da klein beigeben werden. Vielmehr liegt hier doch Zündstoff in der Luft und dieses Treffen wird im Nachhinein zur Farce. Der Einzige der jetzt etwas gewonnen hat ist Kim, nämlich Ansehen durch den Präsidenten der USA.

  10. Reinhard Schumann

    #37 janke jakobs #21hat recht mit seinem statement.wer wählt denn sonst die raute oder denn stillstand,die verhältnisse hiet im lande spotten jeder beschreibung aber wahrscheinlich wohnen sie als bonzenwähler in gut betuchtem stadtteil,gelle. mal was zum therma....egal,wer auf dieser welt was tut oder versucht,wird in kürzester zeit von diesen deutschen medien durch den kakao gezogen.wenn sowieso viele der meinung sind ,alles nur theater oder insziniert,dann würde ich gar keine kommentar mehr abgeben.auf jeden fall hat noch keiner das hin bekommen,was trump tut...

  11. Patricia Hoffmeister

    Interpretieren Sie nicht etwas zu viel Fingerspitzengefühl in Trump hineein, Herr Vollrath? Der hat ganz andere Motive als die edlen, die Sie ihm gerne bescheinigen wollen.

  12. Martin Meschenmoser

    Obiger Bericht von M. Wollny und M. Brandel, ist an negativen Vermutungen nicht zu überbieten. Kim Jong Un, ist angeblich ein Diktator mit furchtbarer Vergangenheit, wie hundert andere, vorhandene Diktatoren, Präsidenten und Kanzler in der westlichen und östlichen Welt. Sind die verantwortlichen, westlichen, demokratischen Führer/innen mit besseren Charakteren ausgestattet ? Ich glaube nicht. Wer ist für die Kriege und das Chaos in Afghanistan, Irak, Syrien, Lybien, Jemen, Sudan usw. verantwortlich ? Sicherlich nicht der Norkoreaner. Trump ist unberechenbar, aber gewählter US-Präsident. Wenn die US-Soldaten aus Südkorea verschwinden, hat er zur Entkrampfung der Lage beigetragen. Sämtliche momentane Medieninformationen sind nur Vermutungen, Gehässigkeiten bestimmter internationaler Gruppen, insbesonders vieler westlichen Medien. Sie alle wühlen im sogenannten politischen Schutz, um Angst zu verbreiten und Trump und Kim Jong Un, als unfähige Diletanten darzustellen. Große Teile unserer Medienmacher, sind an Dekadenz nur schwer zu überbieten. Wertlose Schreiberlinge und Kommentatoren ohne Hirn und Verstand.

  13. Uli Stobbe

    70 Jahre einer einigermaßen freundschaftlich gesinnten beziehung zu Europa werden aus werden wegen hohler populistischer Wahlversprechen in den Wind geschossen !! Aber mit einem menschenverachtenden Schlächter und phychopatischen Massenmörder ist man sich einig und trifft sich zum "Dinner " Einfach nur noch krank was der Typ da abzieht !!!

  14. Birgit Peters

    Wie wäre es mit rein persönlichem Geltungsdrang? Ob Trump das alles nur inszeniert, um als Friedensnobelpreiskandidat gehandelt zu werden ? Auf seinem Regal der Eitelkeiten fehlt diese Auszeichnung noch. Wenn er Papst werden könnte, würde er wahrscheinlich auch das versuchen.

  15. Axel Dahlmann

    Schickt diesen US Präsidenten in den Ruhestand,dieser .....

  16. Anke Fischer-Daub

    Die einzige Leistung Trumps so far, ist einen Diktator zu einem Politiker zu erheben, der es wert ist mit ihm zu verhandeln. Aber eine Krähe hackt ja bekanntlich der Anderen kein Auge aus und Gleich und Gleich gesellt sich gern.

  17. Carsten Vollrath

    Nun beginnen erst die Verhandlungen der Unterhändler mein Gott wartet doch mal ab ,der Vetrag ist doch noch garnicht fertig, es sollte an diesem Gipfel nur festgelegt werden, ob Jong Un überhaupt bereit ist, die Bomben abzurüsten und genau das haben die beiden besprochen, alles weitere wird doch von den Unterhändlern beider Seiten erst in tagelangen oder gar wochenlangen Debatten und Besprechungen erst ausgehandelt. was für ein bescheuerter Artikel wieder hier!

  18. *****

    Dieser Kommentar wurde gesperrt und wird deshalb nicht angezeigt.

  19. markus fischer

    Kim wird Donald schon noch die Hosen ausziehen, ihr werdet sehen. Die ganze Welt lacht dann über Trump.

  20. Lars Beitzel

    Ich finde es einfach erbärmlich, dass jegliche Bemühungen Trumps zu etwas Gutem in den Dreck gezogen werden, und gerade dafür Trump noch runtergemacht wird. Hauptsache gegen Trump, Inhalt scheißegal. Bravo!

Leave a Reply