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Donald Trump hinterlässt nach seiner Europa-Reise verunsicherte Verbündete und einen zufriedenen Kontrahenten. Innerhalb von nur einer Woche hat der US-Präsident es geschafft, 70 Jahre Nachkriegsordnung durcheinanderzuwirbeln.

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Die jüngste Wut-Attacke des US-Präsidenten auf Twitter trifft erneut Europa. Die von der EU-Kommission gegen Google verhängte Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro nimmt Donald Trump persönlich, bewertet sie als Angriff auf Amerika höchstselbst.

Die Hintergründe, die zur der Strafe führten, der Marktmissbrauch mit dem Smartphone-Betriebssystem Android, sind Details, mit denen sich Trump nicht lange aufhalten will.

Es handele sich schlicht um eine Strafe "gegen eines unserer großartigen Unternehmen, Google", wettert Trump auf Twitter und droht der EU, diese übervorteile die USA - "aber nicht mehr lange".

Drohungen, Beschuldigungen, Vorwürfe, Unterstellungen - seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren hat Donald Trump auf dem internationalen Parkett vieles durcheinandergewirbelt.

Aber die Entwicklung der vergangenen Tage ist selbst für den US-Präsidenten eine bemerkenswerte Leistung.

Ganze sieben Tage hat Trump dafür gebraucht, um mehr als 70 Jahre Nachkriegsordnung auf den Kopf zu stellen.

Nach seiner Europa-Reise sind alte Verbündete in Europa brüskiert und verunsichert, der ewige Kontrahent Russland ist hochzufrieden. In den USA bricht ein Sturm der Entrüstung los, das böse Wort vom Verrat macht die Runde. Und Trump? Versteht die ganze Aufregung nicht.

Alte Maßstäbe gelten nicht mehr

Die vergangenen Tage zeigen, dass unter Trump die alten US-Maßstäbe von Freund und Feind nicht mehr gelten. Seine einwöchige Reise führte ihn zum Nato-Gipfel nach Brüssel, zu Premierministerin Theresa May nach Großbritannien und zum Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin nach Helsinki.

Schon bevor die "Air Force One" am Dienstag vergangener Woche abhob, bekamen die europäischen Nato-Staaten eine Ahnung davon, was ihnen blühen würde. Mit Blick auf seine Gesprächspartner sagte Trump: "Offen gesagt, könnte Putin der einfachste von allen sein."

Vor dem Gipfel der Nato - also jenes Bündnisses, das im Kalten Krieg als westliches Bollwerk gegen die Sowjetunion stand und das Trump einst als "obsolet" bezeichnete - sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk: "Liebes Amerika, schätze deine Verbündeten. Schließlich hast du nicht so viele."

Doch Trump mischte den Nato-Gipfel so auf, dass sich der Außenpolitik-Experte Robert Kagan vom Institut Brookings zum Vergleich mit einem "Vorschlaghammer" bemüßigt sah.

Trump forderte von den Nato-Partnern Ausgabenziele, von denen er wusste, dass sie unmöglich zu erfüllen sind. "Das sind die Taktiken von jemandem, der keinen Deal will", urteilte Kagan in der "Washington Post". "Das demokratische Bündnis, das die Basis für die amerikanisch geführte liberale Weltordnung ist, gerät aus den Fugen."

Dass Trump ohne Rücksicht auf Verluste draufhaut und auf diplomatische Gepflogenheiten pfeift, dafür verachten ihn zwar seine Gegner, dafür schätzen ihn aber viele seiner Wähler.

Trump ist ein Showman, und wichtig dürfte für ihn vor allem die Botschaft an die Adresse seiner Unterstützer zu Hause gewesen sein.

Trumps Message ist mit Halbwahrheiten gespickt

Die Message war in der für Trump typischen Weise mit Halbwahrheiten gespickt.

Die Europäer - allen voran Deutschland - ließen die USA für ihren Schutz vor Russland zahlen, während sie den Russen Milliarden Dollar für Gas in die Kassen schaufelten - und es zugleich amerikanischen Firmen erschwerten, Geschäfte in der EU zu machen. Amerika lasse sich unter Trump aber nicht mehr über den Tisch ziehen.

"Was die Europäer in der Trump-Ära besonders verletzlich macht, ist, dass sie sich als Amerikas Alliierte betrachten", schrieb der Politikwissenschaftler Ivan Krastev vom Zentrum für Liberale Strategien in der "New York Times".

In Trumps Welt gebe es aber "nicht Freunde und Feinde, sondern Fans und Feinde". Fans seien immer loyal - und erwarteten nichts im Gegenzug.

Nach dem Nato-Gipfel, den Trump als "großartig" bezeichnete, warnte der Analyst Kagan vor einer "Weltkrise". Da hatte der US-Präsident gerade einmal die erste Station seiner Reise absolviert.

Im Anschluss traf der amerikanische Vorschlaghammer Großbritannien. Jenes Land also, mit dem die USA eigentlich seit jeher eine "special relationship", also eine besonders enge Beziehung pflegen.

Dass Trump die feine englische Art nicht liegt, war klar, aber selbst für seine Maßstäbe war sein Verhalten unverfroren.

Nur Stunden nach einem Gala-Dinner mit der Premierministerin erschien in der "Sun" ein Interview, in dem Trump deren Gegenspieler Boris Johnson über den grünen Klee lobte und May für ihren Brexit-Kurs geradezu verhöhnte.

Vor seiner Weiterreise nach Helsinki zum Gipfel mit Putin nannte Trump die Europäische Union dann in einem Interview mit dem US-Sender CBS "foe" - also "Gegner" oder "Feind", je nach Übersetzung. Putin will Trump dagegen nicht einmal als einen "Widersacher" bezeichnen, schlimmstenfalls als "Wettbewerber".

Das Treffen mit Putin am vergangenen Montag sollte der Höhepunkt der Reise werden. Am Ende war trotz Trumps gewaltigem Eigenlob klar, wer der Gewinner ist: Putin.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Kremlchef in Helsinki fuhr Trump einen Kuschelkurs, der in den USA ein schweres Nachbeben auslösen sollte.

Trump brüskiert seine Geheimdienste

Für besondere Empörung sorgte in der Heimat, dass Trump auf der Weltbühne seine Geheimdienste brüskierte: Er zweifelte deren Erkenntnisse an, wonach Russland sich in die US-Präsidentenwahl 2016 eingemischt hat.

Für Trump dürfte schwer verdaulich sein, dass eine solche Beeinflussung einen Schatten auf seinen Wahlsieg werfen könnte.

Bei der Pressekonferenz nannte Trump Putins Dementi "extrem stark und kraftvoll". Und Trump sagte einen Satz, der ihn noch einholen sollte: "Ich sehe keinen Grund, warum es (Russland) wäre."

Die Oppositionsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, sah darin den Beweis, dass die Russen belastendes Material über Trump haben - "persönlich, finanziell oder politisch".

Ex-CIA-Direktor John Brennan sagte: "Es war nichts weniger als verräterisch. Trumps Anmerkungen waren nicht nur idiotisch, er ist vollständig in der Tasche Putins."

Alarmiert dürfte Trump spätestens gewesen sein, als auch enge Verbündete gegen ihn in Stellung gingen.

Mehr als 24 Stunden dauerte es, bis Trump sich am Dienstag mit einer selbst für ihn abenteuerlichen Ausrede zu Wort meldete: Er habe sich versprochen und das erst bemerkt, als er die Abschrift seiner Aussagen durchgeschaut habe.

"Ich dachte, das wäre offensichtlich, aber ich würde das gerne klarstellen, falls es das nicht war." Eine Verneinung sei ihm durchgerutscht, richtig hätte es heißen müssen: "Ich sehe keinen Grund, warum es nicht Russland wäre."

Trump schürt das Chaos: Nein oder doch ja?

Das passt allerdings nicht zu seinen anderen Aussagen in Helsinki. Und bei der Klarstellung sagte Trump zwar: "Ich akzeptiere die Schlussfolgerung unserer Geheimdienste, dass eine Einmischung Russlands bei der Wahl 2016 stattgefunden hat." Er fügte aber hinzu: "Könnten auch andere Leute sein. Viele Leute da draußen."

Bundesaußenminister Heiko Maas sah sich genötigt, von Trump ein "Mindestmaß an Verlässlichkeit" zu verlangen.

"Es ist ganz einfach auch schwierig, Politik zu machen, bei der die Information oder die Fakten eine Halbwertzeit von 24 Stunden haben", sagte Maas. Er könne Trumps Treffen mit Putin eigentlich gar nicht mehr bewerten. "Ich weiß jetzt nicht, wo er sich überall versprochen hat in Helsinki."

Am Mittwoch ging das Chaos weiter. Eine Reporterin rief Trump im Weißen Haus die Frage zu, ob Russland die USA weiterhin im Visier habe. Trump antwortete mit "Nein". Seine Sprecherin Sarah Sanders sagte später, das präsidiale "Nein" habe nicht dieser Frage gegolten.

Was Trump auch gemeint haben mag, aus Sicht seiner Kritiker ist der Schaden schon angerichtet. Eine Überschrift in der "Washington Post" lautete am Mittwoch: "Befindet sich Trump im Krieg mit dem Westen?" (mwo/dpa)  © dpa

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Comments

  1. Alfred Weber

    Naja, jetzt bekommen erst Mal die US-Bürger, die den Typen gewählt haben, die Quittung. Das geschieht ihnen recht, wenn er nicht auch noch überall sonst auf der Welt Chaos veranstalten würde. Und ansonsten gilt doch ganz klar eine Regel: Steuern fallen dort an, wo die Gewinne gemacht werden. Und für den europäischen Teil des Geschäfts von Google sind eben hier Steuern zu bezahlen, Basta Mr. President!!!

  2. *****

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  3. Hans Eichelberger

    #157 | Er lebt gut und gerne hier...

  4. Alesius Mafredo

    Trump ist genau der Präsident, den wir brauchen. Mit seinem Verhalten zeigt er mit tag täglich die Verlogenheit in unserem System und dass kein Mensch soviel Macht haben sollte. Wahre Demokratie funktioniert nur über Mitgestaltungsmöglichkeiten der Bürger!

  5. *****

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  6. Hein Heinsen

    Ich will Letzter...

  7. Ben Thalert

    Zitat "Welt": "Stephen Bannon, Ex-Berater von Donald Trump, proklamierte in Zürich den unaufhaltsamen Siegeszug der „populistischen Bewegung“. Am Rande der Veranstaltung traf er die AfD-Vorsitzende Alice Weidel und gab ihr Propagandatipps..".Die alten Eliten der liberalen Demokratien haben ausgespielt, die „populistische Bewegung“ ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch, weil die diversen Völker des Westens, in Amerika wie in Europa, von den Globalisten mit Macht ihre „Souveränität zurückforderten – und zwar jetzt sofort"...Wer geglaubt habe, mit der französischen Präsidentenwahl sei der populistische Aufstieg zu Ende gegangen, habe sich gründlich getäuscht. „Die populistische Brandung ist nicht abgeebbt, sie beginnt gerade erst“, rief Bannon aus. „Die Welle der Geschichte ist auf unserer Seite.“ Die jüngste Wahl in Italien dient ihm als Beleg dafür, dass „die Bewegung kontinuierlich wächst“. 70 bis 80 Prozent der italienischen Wähler hätten für Anti-Establishment-Parteien und mehr oder weniger EU-skeptische Kräfte gestimmt. Bannon selbst hat im Wahlkampf Italien bereist und die Rechtsaußen-Kräfte angefeuert. Dass zwischen der Protestbewegung Fünf Sterne und der rechtsradikalen Lega ansonsten programmatische Welten liegen, ist für Bannon unerheblich. Hauptsache, sie lehren gemeinsam „die Elite“ und die EU das Fürchten...."

  8. Hans Christel

    Wir danken alle Frau Dr. Merkel und der GroKo dass wir in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben dürfen.

  9. Thomas Lieblicher

    Die Ukrainer allein entscheiden über die Ukraine. Die Russen geht das nichts an.

  10. Sebastian Zimmermann

    Boah FEIERABEND ! ! !

  11. *****

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  12. Matthias Müller

    Be Trampel hat man den Eindruck, ein bekloppter Vollpfosten sitzt grad im Weißen Haus. Langsam müßte auch seinen Wählern dämmern, welcher Hornochse da grad durch die rumpelt und sie und die USA bis auf die Knochen blamiert, vom politischen Schaden gar nicht zu reden.

  13. *****

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  14. Peter Carstens

    Lieblicher, ein Dauerhartzer wie du lebt nat. in "Frieden und Wohlstand". :DDD

  15. Thomas Lieblicher

    Busik, Dein Mann ist nicht aus der Ukraine.

  16. Alvin Haller

    Trump stellt 70 Jahre Nachkriegsordnung auf den Kopf...........gut so, den die Entwicklung ist die letzten 25 Jahre völlig aus dem Ruder und großteils in die falsche Richtung gelaufen! ---- Trump greift die EU an..........Wenigstens einer der diesen korumpierten Lobbyistenverein in Brüssel mal feuer macht! ---- Trump brüskiert die Geheimdienste.........Endlich mal ein US Präsident der diesen sich teils verselbstständigt habenden Verbrecherorganisationen wie CIA, NSA usw.mal ihre Grenzen aufzeigt die für solche Dienste in einer Demokratie gelten sollten. ---- Trump versteht sich mit Putin halbwegs.........Wo steht in Stein gemeisselt das sich ein US und ein Rusischer Präsident nicht verstehen dürfen und evtl. auch in gewissen Punkten zusammenarbeiten können? ----- Trump hat sicher nicht für alles die richtige Lösung oder den richtigen Ansatz in seinem Denken, aber er hat erkannt das es so wie die letzten 25 Jahre nicht weiter gehen kann und darf!

  17. Josef Vergas

    #116 Dieter Wenzel - Gefahr erkannt, Gefahr gebannt..... ob das auch die Putin busher in diesem Forum verstehen darf zumindest bezweifelt werden? Merkel und ihre Medien haben den deutschen Michel vollkommen im Griff, zu erkennen an dem täglichen Bullshit den zu 99% linke Experten absondern....!

  18. Karl Fuereder

    web.de GMX tun sie nicht schon wieder hetzen, er macht genau das gleiche wie seine Vorgänger, einfach die letzten 20 Jahre nachrecherchieren !!!!!!!!!!!!!!!!! Und ich würde ihnen gerne die Beiträge liefern, ist aber zu aufwändig hier im Forum

  19. *****

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  20. Dieter Wenzel

    was instabil ist, kann man beherrschen, da Deutschland nicht voll souverän u. US ferngesteuert, musste Kanzlerin zwangsläufig Massen-Zuwanderung dulden, was folgerichtig zur Schwächung der EU u. Stärkung des Dollars führte

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