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Vom am 3. Advent 2017 in Gebrauch genommenen, neuen Bronzegeläut der Pfarrkirche St. Johannes Enthauptung in Salzkotten wurden bereits viele, größtenteils hervorragende Bild- und Tonaufnahmen präsentiert. Vom Vorgängergeläut aus Stahlglocken des Bochumer Vereins finden sich bei Youtube einige Teilgeläute. Das ehemalige Plenum der 5 Stahlglocken fehlt bisher, das möchte ich mit meiner Aufnahme ändern. Diese Mobiltelefonaufnahme ist keineswegs störungsfrei, vor allem stören direkt unterhalb des Mikrofons aufprallende Regentropfen stark. Dennoch halte ich es für sinnvoll, die Aufnahme ins „digitale Glockenarchiv“ hier bei Youtube zu stellen. Ebenso dokumentierenswert ist die vom Vorgänger des jetzigen Pfarrers dann und wann erzählte Anekdote, in den Stahlglocken seien Panzergranaten vergossen wurden, daher rühre der harte Klang.

Am Freitag, dem 11.08.2017, verabschiedete sich die Salzkottener Gemeinde von den Klängen ihrer, teils liebgewonnenen, Stahlglocken im Rahmen einer Abendmesse. Zuvor wurden die Glocken solistisch mit Erläuterungen zu Inschriften und Abmessungen vorgestellt und geläutet, zur Messe lud dann das Plenum. Zu diesem Anlass wurde die seit einigen Jahren wegen Bruchgefahr des gekröpften Stahljoches stillgelegte, zweitgrößte Glocke nochmals in Betrieb genommen. Nach der Abendmesse mit „Glockenpredigt“ erklangen die 5 Stahlglocken nochmals gemeinsam, in sehr ruhiger Folge vom Youtube-Nutzer „Westphalenglocke NB“ geschaltet, so dass die Aufnahme neben dem Plenum eigentlich auch 2 Solo- und 6 Teilgeläute zu Gehör bringt. In den Wochen nach dem letzten Läuten wurden Glocken und Glockenstuhl ausgebaut.

Filmische Zusammenfassungen vom letzten Geläut und dem anschließenden Ausbau der Glocken finden sich hier: 

https://www.youtube.com/watch?v=LYqNio0seaE
https://www.youtube.com/watch?v=KsddzIFK3gg

Das Stahlgeläut von St. Johannes wurde im Zusammenhang mit der 700-Jahr-Feier der Stadt im August 1947 geliefert, die große Glocke folgte erst 1948. Gefertigt wurden sie in der sog. Sekundschlagtonrippe des Bochumer Vereins (BVG), die ab 1937 als Weiterentwicklung zur Oktavrippe aus der sog. Untermollsextrippe gedacht war. Bei letzter erklingt der Unterton als Untermollsexte (oder -septime) zum Schlagton, gewünscht war jedoch auch die Verfügbarkeit der (sonst regulären) Unteroktav. Leider ist diese Sekundschlagtonrippe eine fehlerhafte Konstruktion, es erklingt neben dem eigentlichen Schlagton der Glocke eine meist nicht genau passende Sekunde als zweiter Schlagton darüber, in Salzkotten besonders eindrucksvoll an der ehem. großen Glocke zu hören, die fast nur nach einem b° (wie Glocke 2) klingt, jedoch das Summtongewebe einer as°-Glocke aufweist. Aus diesem Missverhältnis resultiert die oft schreckhaft wirkende Tongebung dieses Glockentypus, verstärkt noch durch das bolzende Schlagverhalten, bedingt durch die fast regulär angewendete, gekröpfte Aufhängung. Zumeist passten dann weder reguläre Schlagtonlinie noch Sekundschlagtonlinie für sich und gemeinsam zusammen. Vom Volumen her können diese Glocken jedoch oft genug mit den besseren Varianten der Bochumer Glocken locker mithalten. 

Glockendaten:

Die Schlagtöne werden in der vermutlich der Bestellung beim BVG entsprechenden Tonlage wiedergegeben, die Sekundschlagtöne in Klammern. 

Glocke 1 -Christus Rex- gis°+3 (ais° +1), 4.050kg, 2255mm

Glocke 2 -St. Johannes- h° -3 (cis' -7), 2.800kg, 1997mm

Glocke 3 -St. Maria- cis‘ +9 (dis'+3), 1.820kg, 1688mm

Glocke 4 -St. Joseph- dis‘ +5 (eis' +1), 1.330kg, 1500mm

Glocke 5 -St. Liborius- fis‘ +4 (gis' +1), 780kg, 1264mm.

Glocke 1 1948, Glocken 2-5 1947 vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation, Bochum, Stahlstuhl, gekröpfte (Gl. 1-3) bzw. gerade Stahljoche (Gl. 4+5) von 1947/48. Alle Glocken in der mittelschweren Sekundschlagtonrippe. 

Genutzte Quellen/Literatur:

Kath. Kirchengemeinde Salzkotten (Hrsgb.): Die Glocken von St. Johannes Enthauptung Salzkotten - Festschrift anlässlich der Erneuerung der Läuteanlage 2017, Kath. Kirchengemeinde Salzkotten 2018.

Dr. K. Bund + J. Poettgen (Hrsgb.): Jahrbuch für Glockenkunde, 5.-6. Band 1993/94, Deutsches Glockenmuseum (ehemals „auf Burg Greifenstein“) e. V., 1995, darin: Dr. Gerd Best + Theo Halekotte: Glockengüsse und Geläuterenovierungen im Erzbistum Paderborn in den Jahren 1977 bis 1994, S. 188-199.

S. Schritt: Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation Bochum (BVG) 1851-1970, Glocken und Geläute, Vorläufiges Gesamtverzeichnis für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland, Eigendruck, Trier, 2000, mit fortlaufender Ergänzung.

Artikel in der Zeitung „Neue Westfälische“, aufgerufen am 05.11.2018: https://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/salzkotten/21883916_St.-Johannes-Salzkotten-Glocken-bleiben-vorerst-stumm.html

Dem Salzkottener Pfarrer gilt besonderer Dank für die fruchtbare Kommunikation beim gesamten Projekt, ebenso ihm und dem Chef von Holzbau Keuper, Salzkotten, (neuer Glockenstuhl) für den herzlichen Empfang beim Erstläuten der neuen Bronzeglocken. 

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